Montag 16. August 1999

Nach einer Woche faulenzen auf Berneray sollte es heute nach Norden gehen. 6.00 Uhr Weckergetütel, Krempelpacken, fix was in den Magen geworfen, ein Käffchen nachgeschüttet, Reströdel in den Schrank gesperrt, und auf Alison gewartet ... und kaum war sie da - wie üblich sehr pünktlich, d.h. keine Sekunde zu früh - gings flugs zum Hafen, da stand auch schon die Fähre, aufgeklappt für fahrendes und Fußvolk. Alison liess ihr Auto am Hafen stehen und LIEF! mit uns auf die Fähre.
Dort lernte sie für ihren Erziehungs-Lehrgang, ziemlich lustig anzusehen (sie fand es nicht sooo lustig). In 1h 10min ging es von Berneray nach Leverburgh (so genannt nach Lord Leverhulme) was uns dort 8.20 landen und in den stets pünktlich wartenden Bus gen Norden umsteigen liess.
Über den Sackgassen-Ort Northton (genealogisches Zentrum der Inseln) mit der berühmt-berüchtigten Bus-Umlenke am unteren Ortsende, Fährhafen und Einkaufsmöglichkeit Tarbert (Umsteige in Kleinbusse für die wirklichen verkehrstechnisch problematischen Routen) ging es nach Stornoway - der ca. 6000 Ew.-Hauptstadt der Äußeren Hebriden mit dem den Hafen überschaueneden Lews Castle (-College).

Lews Castle College, Stornoway, overlooking the harbour

Kurzer Sturm auf den Safeway: Verpflegung für Garenin zusammengefegt und am Busbahnhof in zu jedes Jahr höheren Preisen deponiert, mit Hunger auf Postkartenjagd und anschließend auf erfolglose Fish & Chips Suche, einfach ne halbe Stunde zu früh. Hauptpost (zwecks Briefmarken) hoffnungslos überfüllt...Abhilfe schaffte der Laden der Stornoway Gazette, nachdem auch die Touri-Info keine Marken herausrücken wollte. Tja, auf Berneray bekommt man in solch einem Fall mit etwas Glück die privaten Marken der Verkäuferin und Ladeneigentümerin aus dem Privathaus geholt.
Endlich zwei Portionen F&C und flugs zu Norma in die Independent Jugendherberge, wo wir zwar beim Staubsaugen gestört und trotzdem ein Käffchen bekommen haben. Unglaublich, wie gut in entsprechender Umgebung ein Pulverkaffee schmecken kann!

Norma im Hostel

Nach kurzem Schwatz zurück zum Bus und Richtung Carloway - aber erstmal zu den berühmten Hinkelstein-Kreisen, den Callanish Stones. Die Busfahrt war übel, bzw. war uns übel, naja zu weit hinten im Bus nach frisch verzehrtem F&C - war wohl keine so gute Idee, auch wenn man hinten im Bus etwas mehr Beinfreiheit hat.

Calanish visitor centre - click here for more infos

Netter Spaziergang bei mittlerem Wetterchen, eher kein Fototraum, aber immerhin nur Nieselregen (das kann man hier auch schlimmer haben), ein legendärer Sturz ins Kammergrab, welcher filmwechselbedingt nur knapp, aber eben leider doch verfehlt wurde.

hiding behind one of the huge standing stones Birgit shortly before unintendedly falling into the cairn

... weiß der Himmel, warum die Leutchen die riesigen Steine da aufgestellt haben, mit Beachtung der Mondphasen und Himmelsrichtungen und alledem; übrigens kann man da prima Verstecken spielen.
Weiter mit dem Bus nach Garenin (Black House) Village. Vorbei an John McGregor's (d. 1998) Webstuhlstube, in welcher sogar HRM die Königin Elisabeth II schon zu Gast war, wie John nicht müde wurde zu erzählen.

John's weaving shed

Hier trafen wir gleich wieder auf Bekannte Gesichter aus Berneray - fellow hostellers. Das Wetter ist feucht und ziemlich zugig, nicht verwunderlich an der Atlantik-Küste und auch eher typisch für die steinige Kliff-Küstenregion. Dafür kann man hier schön klettern - das wollte ich dann aber doch nicht so gern - Martin wäre wohl gern...
Auf dem Rückweg - vorbei an einem Zelt aus dem unverkennbar sächsische Geräusche drangen - lernten wir Alex und Anja aus Dresden kennen und konnten ein paar Schwänke aus dem schottischen Umland gegen ein Schlückchen Warmmacher eintauschen - ein okey-er Tausch.
In der Zwischenzeit war so mancher Germane im Hostel eingefallen, u.a. zwei Radler mit Übergepäck, sie führten so nützliche Campingartikel wie elektrische Rasierer und Schlafanzüge mit sich - jeder ihrer Griffe in die Packtaschen war ein Lachmuskelkiller für die Zuschauer. Auch belegungsbedingt wurde der Abend nicht zu lang, die Beine waren eh recht schwer von der ungewohnten Küstenrunde am Nachmittag.

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